Festakt zum Jahrestag der Weimarer Verfassung in der Musikhalle (heute: Laeisz-Halle) am 11. August 1930. Der Hamburger Senat gab feierlich die Vergabe einer lebenslangen Ehrenrente an Hermann Krieger und an den Impressionisten Arthur Siebelist bekannt. Kriegers alter Freund, der Staatsrat Alexander Zinn, führte die Geschäfte der Kunstpflegekommission des Hamburger Senats und besaß großen Einfluss auf kulturpolitische Angelegenheit in der Hansestadt. Er war im Rathaus maßgeblich am Zustandekommen der Ehrenrente beteiligt. Heute würde ein ähnlicher Vorgang wahrscheinlich vom Geruch der Korruption umgeben sein. Jedoch kam auch aus der freien Kulturszene Hamburgs einige Unterstützung. Fürsprache einer städtischen Hilfe Kriegers kamen vom Schriftsteller und Grafiker Hans Leip, vom Lyriker Carl Albert Lange oder vom Journalisten Erich Lüth.

Die drückende Enge der präkeren Lebensverhältnisse, in denen er seit Kindesbeinen an lebte, waren damit unvermutet beendet. Es gibt nur wenige schriftliche Zeugnisse aus seinem Leben nach 1930. Sie zeugen von einem ausgewechselten Hermann Krieger. Keine Spur von Gram, Hass und Schuldzuschreibung oder von apokalyptischen Weltentwürfen und Erwartung eines endzeitlichen Satan Usurpators. Armut und Perspektivlosigkeit verändern Menschen. Die meiste Zeit ihres Lebens hatten Hermann und Christine Krieger in bitterster Armut verbracht. Die sogenannten Goldenen Zwanziger waren für den Schriftsteller und seine Frau bleischwere Notjahre gewesen. Im August 1930 atmeten sie auf. Statt Satan Usurpator erschien ihnen die Befreiung in Gestalt einer soziale Absicherung durch eine sehr weltliche Rentenzahlung.

Mit den 3000 Reichsmark jährlicher Ehrenrente konnten sich Christine und Hermann Krieger in Malente ein kleines Grundstück kaufen. Darauf errichteten sie ein kleines Siedlerhaus. Den Grundriss zeichnete Hermann Krieger selbst. Er zog sich dorthin zurück, gärtnerte, imkerte und schrieb. Es entstanden Romane wie Die Bienen vom Höllenmoor. Sie blieben unveröffentlicht. Die Manuskripte seines literarischen Spätwerks  gelten als verschollen. Hermann Krieger starb im Februar 1943. Seine Frau Christine wohnte bis zu ihrem Ableben im April 1951 in dem kleinen Siedlerhaus.