Krieger stellt sich mit seinem Buch Not-Wende in die Reihe der Negativpropheten, die nach dem Ersten Weltkrieg und in der Inflationszeit massenweise auftraten und ihre erwartungsbeängstigenden Endzeitszenarien verkündeten. Der Begriff "Not-Wende" war bereits im Umlauf. Auch der Inflationsheilige Friedrich Much-Lamberty predigte nach dem Ersten Weltkrieg von der „Not-Zeit“ und der „Notwende“.

Die Not-Wende ist ein Werk, in dem Krieger alle möglichen Deutungs- und Erklärungsansätze um ein Krisenparadigma herumgruppiert. Über weite Strecken herrscht darin eine schwer nachvollziehbare Gedankenwelt aus Neogermanentum, aus „Germanennot des Weltkrieges“, rassenhygienischen Ansätzen, Antisemitismus, Antimonetarismus, sowie aus Anklagen gegen Unterdrückung, Versklavung, Verdummung und Zinssklaverei. Krieger macht das Judentum zum Sündenbock seiner eigenen Existenzkrise, das Germanentum war sein Heilsversprechen.

Zentrales Element in der Weltdeutung der Not-Wende ist "Satan Usurpator", eine von Krieger erdachte apokalyptische Gottheit innerhalb einer geschichtsmorphologischen Wellen-Theorie. Demnach mündet der Zusammenbruch einer Kultur in eine neue Blütezeit. Der Abstieg führt zunächst zur Herrschaft von „Satan Usurpator“, die für einen erneuten Aufstieg eine Grundvoraussetzung ist. Dieses zyklische Modell war für ihn ein kosmisches Naturgesetz. Hermann Krieger verfing sich Anfang der 1920er Jahre immer tiefer in diese verquere Gedankenwelt.

Sein Buch Not-Wende ist zweifellos ein krud-skuriler Versuch einer umfassenden Weltdeutung, die den Definitionsmerkmalen einer Verschwörungstheorie oder Verschwörungserzählung gänzlich erfüllt. Dass es einen langen Atem braucht, um das Buch lesend zu bewältigen und zu ertragen, sei nur am Rande erwähnt. Ein zeitgenössischer Kritiker urteilte, man werde "schwer fertig mit dem Buch. Auf den ersten Anhieb gelingt es wohl überhaupt keinem."